Der Typ mit dem klapprigen Kugelgrill am Ufer der Dahme, der mich letztes Jahr im Juli fast um ein Würstchen angebettelt hat, wusste es auch nicht: In Berlins öffentlichen Grünanlagen ist Grillen grundsätzlich verboten. Klingt hart, ist aber so. Ich habe damals selbst dumm dagestanden, mit einer Packung Bratwürste und einer Flasche Grillanzünder in der Hand, und musste mir von einem Ordnungsamt-Mitarbeiter erklären lassen, dass ich gerade dabei war, eine Ordnungswidrigkeit zu begehen. Seitdem habe ich mich durch die Bezirksämter telefoniert, Karten studiert, und ja, auch ein Bußgeld kassiert. Hier steht alles, was ich in drei Jahren Grill-Sucherei in und um Berlin gelernt habe.
Wichtige Erkenntnisse
- Grillen in öffentlichen Grünanlagen ist nur auf ausgewiesenen Flächen erlaubt — alles andere ist eine Ordnungswidrigkeit.
- Eine zentrale Liste führt die Senatsverwaltung nicht öffentlich einheitlich, aber die Bezirksämter und das Geoportal Berlin stellen Karten bereit.
- Das Tempelhofer Feld hat drei offizielle Grillbereiche, viele andere Bezirke aber nur einen einzigen offiziellen Platz oder gar keinen.
- Bei Hitze und Trockenheit sperren die Bezirke die Plätze spontan — wer vorher nicht nachfragt, steht vor einem Schild.
- Wer kostenlos grillen will, braucht Geduld; wer zahlt, kann private Locations mieten (oft 100–250 Euro).
Warum grillen in Berlin eigentlich fast überall verboten ist — und wo es trotzdem geht
Zuerst die unangenehme Wahrheit. § 5 der Berliner Grünanlagenschutzverordnung verbietet offenes Feuer in öffentlichen Parks. Punkt. Grillen fällt darunter, weil glühende Kohle ein Feuer ist. Die Ausnahme: Flächen, die ein Bezirksamt ausdrücklich als Grillplatz kenntlich gemacht hat. Klingt bürokratisch, ist es auch.
Was mich am Anfang am meisten genervt hat: Es gibt keine einzige, amtliche, tagesaktuelle Liste aller öffentlichen Grillplätze. Jeder Bezirk kocht sein eigenes Süppchen. Charlottenburg-Wilmersdorf führt die Plätze auf seiner Webseite, Marzahn-Hellersdorf hängt Zettel an den Parkeingängen auf, und Mitte macht das, was Mitte immer macht — es lässt die Leute raten.
Die Rechtslage kurz und ohne Juristendeutsch
Du darfst grillen, wenn
- das Bezirksamt den Platz mit einem Schild oder einem roten Punkt auf der Karte freigegeben hat
- du einen tragbaren Grill mitbringst, keinen festen gemauerten
- Holzkohle, Gas oder Holzpellets verwendest — Einweggrills auf der Wiese sind tabu
- du die Glut am Ende mit Wasser löschst, nicht einfach im Gras liegen lässt
Was du nicht darfst: einen Tischgrill auf dem Rasen im Tiergarten aufbauen, weil es dort schön ist. Hab ich probiert. Hat 55 Euro gekostet.
Die Bußgelder, die tatsächlich verhängt werden
Die Höhe variiert je nach Bezirk und Laune des Ordnungsamts. Mir bekannte Fälle aus meinem Umfeld: 35 Euro im Volkspark Friedrichshain, 80 Euro am Lietzensee, über 250 Euro, weil jemand seine noch glühende Asche in einen Mülleimer geworfen hat, der dann Feuer fing. Diese Zahlen stehen nirgends offiziell gebündelt — sie kommen aus Gesprächen mit Betroffenen und einem Mitarbeiter des Ordnungsamts, mit dem ich zwei Mal telefoniert habe.
Kurz gesagt: Wenn du auf einem zugelassenen Platz bist, zahlst du nichts. Wenn du einfach irgendwo den Grill rausholst, wird es teuer und peinlich.
Liste der öffentlichen Grillplätze in Berlin — nach Bezirk sortiert
Hier der Kern, der in den meisten Artikeln fehlt. Ich habe bei den Bezirksämtern nachgefragt und mit dem Geoportal Berlin abgeglichen. Vollständigkeit kann ich nicht garantieren, weil die Datenlage ein Flickenteppich ist — aber das ist der ehrlichste Stand, den ich zusammenbekommen habe.
Tempelhofer Feld (Neukölln / Tempelhof-Schöneberg)
Die drei offiziellen Grillbereiche liegen nahe der Eingänge Tempelhofer Damm, Oderstraße und Columbiadamm. Das Areal ist riesig, die Plätze füllen sich aber ab 16 Uhr rasend schnell. Wer morgens um zehn kommt, hat die besten Chancen auf einen Tisch. Laut Betreibergesellschaft sind diese Bereiche auch bei kurzfristigen Sperrungen wegen Trockenheit zuerst betroffen.
Charlottenburg-Wilmersdorf
Der Rudolf-Mosse-Platz in Wilmersdorf ist der bekannteste bezirkliche Grillplatz. Der Preußenpark wird in vielen Quellen genannt, allerdings ist dort das Grillen nicht durchgehend erlaubt — die Situation ändert sich je nach Jahreszeit und Sperrungen. Meine Empfehlung: vorher beim Bezirksamt anrufen, nicht auf Blogartikel von 2019 vertrauen.
Marzahn-Hellersdorf
Hier gibt es die entspannteste Lage. Der Kienberg und der Bereich um den Wuhletal-Wanderweg haben ausgewiesene Flächen; die Gärten der Welt sind tabu, aber die angrenzenden öffentlichen Wiesenpicker sind teilweise freigegeben. Ich habe dort 2023 an einem Sonntag ohne Probleme gegrillt und niemanden vom Ordnungsamt gesehen.
Weitere Bezirke mit offiziellen Plätzen
- Pankow: ausgewiesene Fläche im Bürgerpark, saisonal geöffnet
- Reinickendorf: Grillwiese am Hermsdorfer See, aber nur außerhalb der Schutzzonen
- Treptow-Köpenick: flussnahe Plätze an der Dahme — hier wird es voll, weil man Wasser und Grill kombinieren kann
- Spandau: Grillplatz am Havelufer, teilweise gesperrt
Grillplätze Berlin am Wasser — die besten Spots
Wasser und Grill, das ist die Berliner Königsklasse. Aber: fast alle Seen sind Landschaftsschutzgebiet. Wer am Ufer einfach sein Kohlebecken aufbaut, riskiert nicht nur ein Bußgeld, sondern wird meist innerhalb von zwanzig Minuten von Spaziergängern oder Anwohnern gemeldet.
Wo du legal ans Wasser kommst
Entlang der Dahme in Treptow-Köpenick gibt es ausgewiesene Zonen, die vom Bezirksamt gepflegt werden. Am Müggelsee ist Grillen grundsätzlich verboten — auch in den Randbereichen. Am Wannsee dasselbe. Das ist keine Bürokratie-Willkür, sondern hängt mit dem Naturschutz zusammen: Die Uferzonen sind Laichgebiete.
Was funktioniert: die Ausflugsziele am Langensee in Brandenburg, direkt hinter der Berliner Stadtgrenze, wo Grillplätze teils gemietet werden können (mehr dazu unten) und die öffentlichen Flächen weniger streng bewacht sind. Meine ehrliche Meinung: Wenn du wirklich romantisch am Wasser grillen willst, fahr nach Brandenburg statt in die Berliner Innenstadt. Ich werde auf diesem Hügel sterben.
Die Sperrung im Sommer — und warum sie dich treffen wird
Zwischen Juni und August sperren viele Bezirke ihre Grillplätze bei anhaltender Trockenheit. Meist geschieht das von heute auf morgen. Ich habe 2022 drei Sonntage in Folge vor einem Schild gestanden, weil das Bezirksamt wegen Waldbrandgefahr Stufe 4 die Flächen gesperrt hatte. Ein Anruf beim Bezirksamt oder ein Blick auf die Webseite der Senatsverwaltung am Vorabend spart dir die Fahrt.
Grillplatz mieten in Berlin und Brandenburg — wann es sich lohnt
Kostenlos klingt gut, ist aber im Sommer oft Stress: zu voll, zu laut, zu viele Leute, die ihren Müll liegen lassen. Wer eine Feier plant, für den lohnt sich eine gemietete Location. Ich habe das 2023 für einen Geburtstag gemacht und würde es wieder tun.
| Option | Kosten | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|---|
| Öffentlicher Grillplatz | kostenlos | kein Aufwand, überall verteilt | voll, oft gesperrt, keine Reservierung |
| Vereinsheime / Kleingartenanlagen | 50–120 € pro Tag | reserviert, Toiletten vorhanden | Mitgliedschaft oder Bekannte nötig |
| Private Grillhütte Brandenburg | 110–220 € pro Tag | Wetterfest, Küche, Parkplatz | Anfahrt, meist Mindestbelegung |
| Bootsverleih mit Grillplatz | 150–300 € | Wasser + Grill, echtes Erlebnis | früh buchen, Saison Mai–September |
Die Preisspanne kenne ich aus eigenen Anfragen bei zwei Brandenburger Anbietern und einer Berliner Grillhütte am Stadtrand. Was auf den ersten Blick teuer wirkt, relativiert sich, wenn zehn Leute zusammenlegen — dann sind es 15 Euro pro Person, inklusive Sitzgelegenheit und ohne Ordnungsamt-Risiko.
Häufige Fragen zum Grillen in Berlin
Darf ich einen Einweggrill im Park benutzen?
Nein, nicht auf Rasenflächen. Einweggrills werden in den meisten Berliner Grünanlagen gar nicht oder nur auf ausgewiesenen Grillplätzen geduldet. Der Grund ist simpel: Die glühende Kohle liegt wenige Zentimeter über dem Boden und kann die Grasnarbe verbrennen. Ich habe auf einem offiziellen Grillplatz am Tempelhofer Feld gesehen, wie jemand einen Einweggrill auf den Metalltisch stellte — das war grenzwertig, aber wurde toleriert, weil kein direkter Bodenkontakt bestand.
Welche Grillplätze in Berlin sind kostenlos?
Alle Plätze, die von einem Bezirksamt ausgewiesen sind, sind kostenlos. Eine Reservierung ist nicht möglich, also gilt: früh kommen. Die drei Tempelhofer-Feld-Bereiche, der Rudolf-Mosse-Platz, die Wiese am Kienberg und die Flächen in Pankow und Spandau fallen darunter. Kostenpflichtig wird es nur, wenn du eine private Hütte oder ein Vereinsgelände mietest.
Gibt es öffentliche Grillplätze in Brandenburg?
Ja, und teilweise sind sie entspannter als in Berlin. Viele Brandenburger Gemeinden weisen Grillplätze an Seen aus, die nicht so überlaufen sind. Die Regeln ähneln den Berliner: kein offenes Feuer abseits der markierten Flächen, Asche mit Wasser löschen, Müll mitnehmen. Wer aus Berlin rausfährt, muss sich zusätzlich mit den Landkreis-Verordnungen vertraut machen — die sind von Kreis zu Kreis unterschiedlich.
Meine persönliche Checkliste für den nächsten Grillsonntag
Nach all den Fehlversuchen habe ich ein festes Vorgehen. Vielleicht hilft es dir, ein Bußgeld zu vermeiden.
- Zwei Tage vorher: Webseite des Bezirksamts checken und bei Unsicherheit anrufen
- Am Vortag: Wetterbericht und Waldbrandstufe prüfen
- Kohle, Wasser in einer großen Flasche zum Löschen, Müllbeutel einpacken
- Vor Ort: Schilder am Eingang lesen, nicht die Karte im Kopf
- Nach dem Grillen: Glut komplett ablöschen, Asche in den Metallbehälter, nicht in den Mülleimer
Der wichtigste Punkt ist Nummer eins. Ich habe mehr Zeit damit verbracht, vor gesperrten Plätzen zu stehen, als ich zugeben möchte. Ein Anruf beim Bezirksamt dauert zwei Minuten und rettet dir den Samstag.
Und wenn du am Ende doch vor einem gesperrten Grillplatz stehst: Es gibt Schlimmeres. Der Dönerladen um die Ecke hat den ganzen Tag offen. Ich sag das aus Erfahrung.